Mongolei: Hilfe für Nomadenkinder

Fotos: Asral und Maitreya Foundation

Seitdem gegen Ende des letzten Jahrhunderts der Kommunismus in der Mongolei  zusammengebrochen ist, sind viele Menschen in existenzielle Not geraten. Viele ehemalige Nomaden haben ihr Vieh verloren und haben sich mit ihren Jurten in den schnell wachsenden Elendsvierteln  um die Hauptstadt Ulaanbaatar angesiedelt. Mittlerweile lebt ein Drittel der Bevölkerung in solchen  Vierteln. 

 

2001 wurde deshalb die Asral (Mongolisch für Hilfe) Hilfsorganisation gegründet. Ziel dieser  Organisation ist es Kinder vor Obdachlosigkeit zu schützen und Familien zusammenzuhalten. Dabei  arbeitet sie mit lokalen Gemeindeführern und Gouverneuren zusammen, um die bedürftigsten  Familien zu identifizieren.

 

MiA unterstützt auch in diesem Jahr 2022 wieder die Arbeit von Asral in der Mongolei, die sich  zusammen mit der Maitreya Charity um die ärmsten Kinder nomadischer Familien kümmert. Die  Kinder bekommen warme, gesunde Mahlzeiten, Schulmaterial und Hygieneartikel. Außerdem werden sie bei den Hausaufgaben unterstützt und erhalten Englischunterricht. Regelmäßige medizinische Untersuchungen und Krankheitspräventionprogramme (Covid) werden ebenfalls angeboten. Da die Einrichtung während des Lock-Downs geschlossen war, wurden die gekochten Mahlzeiten eingefroren und zu den Familien nach Hause gebracht. 

 

Auch die Verteilung von Kleidung und Schulmaterialien helfen dabei, Waisen- und Straßenkindern eine Schulausbildung zu ermöglichen. Vor Ort kümmern sich eine Sozialarbeiterin, verschiedene Lehrer und ein Koch um die Kinder.

 

Diese Arbeit konzentriert sich derzeit auf 30 der ärmsten Kinder im Alter von sechs bis sechzehn  Jahren. Die Organisation verfügt über eine Küche und ein Klassenzimmer und die Kapazität der  Teilnehmerzahl soll weiter erhöht werden. Von den derzeit 30 teilnehmenden Kindern sind 18  Mädchen und 12 Jungen. 11 Kinder stammen von Eltern, die geschieden sind. 3 Kinder haben keine  Eltern, da diese verstorben sind. Weitere 3 Kinder haben jeweils einen Elternteil verloren. 4 neue Kinder sind in diesem Jahr dem Projekt beigetreten. 

 

Die lokale Grundschule bietet derzeit nur Platz für 400 Kinder in der Reihenfolge ihres Eingangs.  Wegen der zahlenmäßigen Beschränkung haben 600 Kinder, hauptsächlich aus dem Elendsviertel,  keinen Zugang zur frühen Grundschulbildung. Unsere Partner vor Ort unterstützen 30 der ärmsten  Kinder, indem sie Kleidung, Schreibwaren, Schulausrüstung, einen Winterspielplatz, sanitäre  Einrichtungen und renovierte Klassenzimmer zur Verfügung stellen.  

 

Der kleine Ort bei Gachuurt, wo unsere Hilfe ankommt, ist eine ehemalige Kommune aus der  Sowjetzeit. Mit Mitteln der irischen Regierung renovierte und rüstete Asral die örtliche Grundschule  aus, wobei die Kapazität von 166 auf 220 Plätze erhöht wurde, und stellte zwei ausgestattete  Grundschulgärten für Hirtenkinder in den Randgebieten zur Verfügung. Die Kinderherberge erhielt 60 neue Betten und das notwendige Bettzeug. 

 

Ein weiterer Ort, Underschil, liegt 380 km südöstlich der Hauptstadt in der Wüste Gobi. 20 Kinder  profitieren vom Hot Meal-Projekt und erhalten warme Kleidung, Schreibwaren und Toilettenartikel. Die meisten Straßenkinder kommen aus den Elendsvierteln, aus zerrütteten Familien, geschiedenen  Eltern, Familien ohne Arbeit und von Müttern, die sich nicht um sie kümmern können oder Eltern, die unter Alkoholismus leiden. Die Kinder haben meist nur noch ihre Mütter, die den Großteil des Tages  damit beschäftigt sind zu arbeiten. Die Kinder sind dann sich selbst überlassen. All das sind Probleme, die durch die Unterstützung dieses Projekt nachhaltig bekämpft werden können. Bitte helfen Sie uns durch Ihre großzügige Spende, die Not dieser Kinder langfristig zu mindern. Ohne diese Unterstützung würden diesen Kindern der Zugang zu Bildung und einem gesunden Leben verwehrt.

Drei persönliche Geschichten

Ariunkhuslen ist ein siebenjähriges Waisenmädchen, dass in die zweite Klasse geht. Sie  hat einen stillen, ruhigen  Charakter ist hilfsbereit  und hat gute Noten. Ihr Lieblingshobby ist Malen. 2020 hat sie ihren Vater, zu dem sie eine sehr gute  Beziehung hatte, durch  eine Krankheit verloren.  Ihre Mutter berichtet, dass sie oft noch nach ihrem Vater fragt und ihn sehr vermisst. Durch den Lockdown hat sich ihr psychischer Zustand zu  einer Depression verschlechtert. Sie leidet  unter Schlaflosigkeit, ist  mental und emotional  erschöpft. Außerdem hat sich ihr Kiefer verformt und sie ist unter ärztlicher  Beobachtung.  Ihre Mutter leidet auch unter dem Verlust ihres Ehemanns,  der Erkrankung der Tochter, Familienzwistigkeiten und  unzureichenden  Arbeitsmöglichkeiten. Sie eben in einer Jurte im Garten der Schwester. Durch die Pan­demie­situation ist es schwierig für die  Mutter Arbeit zu finden. Sie ist deshalb oft außer Haus. Ariunkhuslen ist dann allein zu Haus und hat  sich beim Kochen schwere Verbrennungen der Beine zugezogen und kann nicht mehr laufen.  Momentan wird versucht ihre Beine mit Salben und Schmerzmitteln zu heilen. Wir freuen uns auch hier helfen zu können.

Egshiglen ist 13 und Enkthur 4 Jahre alt. Die beiden leben zusammen mit ihrer Mutter und einer  jüngeren Schwester. Sie waren für viele Jahre obdachlos oder haben bei Verwandten oder in  Notunterkünften gewohnt. Für viele Jahre haben sie versucht Unterstützung durch das Sozialsystem zu erhalten. Dieses Jahr haben sie ein Zimmer in einem schlechten Zustand in einem heruntergekommenen Appartement­gebäu­de bekommen. Mittlerweile haben sie das Zimmer etwas herrichten können.

 

Die Schule der Kinder ist weit weg, sodass sie erst nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause  kommen. Dabei müssen sie gefährliche, unbeleuchtete Gegenden passieren, in denen sich Straßenhunde und Obdachlose aufhalten. In der Nähe ihrer Wohnung lebt auch die alkoholabhängige Großmutter, die die Kinder im Rausch bestraft und beschimpft. Aufgrund dessen haben die Kinder Angst vor Umgang mit Menschen, haben Schwierigkeiten Freunde zu finden und können sich selbst nicht ausdrücken.

 

Ihre Mutter ist die meiste Zeit zuhause und übernimmt die Erziehung der Kinder, weil sich sonst niemand dafür verantwortlich fühlt. Sie hat keinerlei Kontakt zum Vater der Kinder, welcher auch nie irgendeine Unterstützung gewährt hat. Sie kauft Lebensmittel nur in geringen Mengen. Wenn das Geld auch dafür nicht mehr reicht, verpfändet sie das Kindergeldsparbuch oder ihren Personalausweis, um Fleisch und Mehl zu kaufen. Ihre Ernährung beinhaltet weder gesundes Gemüse noch Früchte. Sie sind deshalb unterernährt und schwach. Sie leben sprichwörtlich von der Hand in den Mund und haben keine entsprechende Winterkleidung. Egshiglen wird wegen seiner Kleidung in der Schule gemobbt. Ihre Mutter hat Probleme mit einem deformierten Kiefer und ihre Kinder mit den Zähnen. Egshiglen als ältestes Kind hilft ihrer Mutter sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern. Sie schöpft z. B. Wasser aus dem Brunnen. Dabei hat sie sich im Winter bereits an den Beinen verletzt, als sie auf dem eisglatten Boden ausrutschte. Alle Kinder der Familie mögen den Sportunterricht an der Schule, sind sehr schüchtern und verschlossen, und erhalten Hilfe durch unsere Arbeit der Sozialbetreuung.

Narantsatsral lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter und vier anderen Geschwistern in einem spärlichen Raum. Als sie ihr Vater verließ, hat er alles mitgenommen, inklusive Jurte und Einrichtung. Der Mutter und ihren Kindern blieb nichts anderes als die Kleidung, die sie am Leibe trugen. Sie wohnen seitdem im Gästezimmer ihres jüngeren Bruders. Die Mutter bleibt zuhause, kümmert sich um ihre Kinder und erledigt Hausarbeiten. Sie kann keiner Arbeit nachgehen, weil sonst niemand nach den Kindern schauen kann. Wenn ihnen das Geld ausgeht, arbeitet die Mutter als Putzhilfe in einem Supermarkt.

Als sie einmal die Kinder allein ließ, tauchte die älteste Tochter das Baby in kochende Suppe. Es erlitt dadurch schwere Verbrennungen und musste sich einer Haut­trans­plan­tations­operation unterziehen. Das Gehör wurde ebenfalls geschädigt und musste operiert werden. Zum Glück konnte durch die Hilfe unseres Projektpartners vor Ort ein Spender gefunden werden, sodass die OP finanziert werden konnte.

Die Kinder helfen im Haushalt, in dem sie Wasser aus einem Brunnen holen. Dabei müssen sie ein 40 kg schweres Fass über einen felsigen Bergpfad tragen.

 

Narantsatsral geht in die vierte Klasse, hat gute Noten und liebt es zu lernen. Außerdem besucht sie eine Freiluft-Musikschule und kostenlose Pferdekopfgeigenkurse. Da ihre Mutter nicht die Möglichkeit hat einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, hat die Familie ein unstetes Einkommen. Die Kinder leider darunter, dass sie keine gesunde Ernährung, warme Kleidung  für den Winter und keine Kohle zum heizen haben. Die drei Kinder der Familie, die eine Schule besuchen, nehmen am Hot Meal Projekt teil und erhalten dabei Hilfe durch unsere Arbeit.

 

Text: SG, Asral und BGR