Kambodscha: Reisstipendien für Mädchen in Ausbildung

(Fotos: Lotus Outreach, GATE - Girls Access To Education)

10. Februar 2020

 

Als drittes Projekt für unsere Startphase im ersten Jahr haben wir uns für die Unterstützung von Studentinnen in Kambodscha entschieden. Diese Mädchen kommen aus armen Verhältnissen in denen ihre Familien ohne eine Hilfsorganisation keine Schul- und Studienausbildung finanzieren können. Diese regelmäßige Unterstützung durch Sicherung von Reis ermöglicht es, dass diese Mädchen ihre Schulausbildung fortsetzen und sogar einen Universitätsabschluss erwerben können. IHRE Spende trägt dazu bei, diesen jungen Frauen einen Weg aus Armut und Abhängigkeit zu ermöglichen.

 

Das Projekt wird in Partnerschaft mit Lotus Outreach International (LOI) verwirklicht, ein seit 2009 vertrauenswürdiger Partner unseres amerikanichen Kooperationspartners, Buddhist Global Relief. Lotus Outreach International setzt sich dafür ein, das Leben von Frauen und Mädchen in Kambodscha und Indien durch Initiativen zu verbessern, die den Zugang von Mädchen zu Bildung fördert, Beratung anbietet und Opfern von Menschenhandel und häuslicher Gewalt Zuflucht bietet.

 

Eine wichtige Vorraussetzung der LOI-Bildungsprogramme ist die wirtschaftliche Sicherung verarmter Studentinnen und kleinerer Kinder im ländlichen Kambodscha durch die Bereitstellung von Reis. Durch die zuverlässige Nahrungssicherung der von Unterernährung betroffenen Familien wird oft überhaupt erst die Voraussetzung dafür gesetzt, dass diese Mädchen für eine Ausbildung freigestellt werden können, ohne ihre Familien durch Kinderarbeit unterstützen zu müssen. Der Reis ernährt auch die Eltern und Geschwister der Mädchen und kommt den ganzen von Armut betroffenen Familienmitgliedern zugute, die dadurch auch einen Teil ihres eigenen Ertrages in die Sicherung ihrer Bauernhöfe oder Unternehmen investieren können.

 

Die BGR hat die Reisunterstützung für das GATE-Stipendienprogramm von Lotus Outreach seit seiner ersten Kontaktaufnahme mit diesem Projekt im Jahr 2009 und für das CATALYST-Programm seit seiner Einführung als Fortsetzung des GATE-Programms finanziert. 

 

GATE (eine Abkürzung für „Girls Access To Education“) bietet Bildungsstipendien für Mädchen in Grund- und weiterführenden Schulen an. CATALYST, ebenfalls unterstützt durch ein Stipendium der BGR, baut auf dieser Grundlage auf und unterstützt Mädchen dabei, an Universitäten und Berufsbildungseinrichtungen in ganz Kambodscha eine höhere Ausbildung zu erhalten. Alle Schülerinnen dieser Programme verpflichten sich, mindestens für die Dauer eines Jahres eine Schule zu besuchen.

 

Im vergangenen Jahr wurde das BGR-Stipendium erweitert, um nicht nur die Studentinnen der GATE- und CATALYST-Stipendienprogramme zu unterstützen, sondern auch die Familien von 301 Kindergartenkindern. Für dieses Jahr haben wir, Mitgefühl in Aktion e.V. (MiA), uns mit einer größeren Summe verpflichtet, diese Arbeit an der Seite von BGR nachhaltiger zu sichern.  

 

Die Verteilung von Reis erfolgt über lokale Organisationen. Das Reisförderprogramm für Kindergartenkinder wird in Zusammenarbeit mit Khemara durchgeführt, Kambodschas erster vor Ort gegründeter und betriebener NGO, die sich für die Gesundheit, Bildung und das Wohlergehen kambodschanischer Frauen und Kinder einsetzt. 

 

Das GATE-Programm zur Unterstützung durch Reis wird über das kambodschanische Frauenkrisenzentrum in Zusammenarbeit mit lokalen Bildungsarbeitsgruppen in den Studentendörfern durchgeführt. Diese Gruppen, bestehend aus Lehrern, Eltern, Regierungsbeamten und freiwilligen Helfern, liefern den Reis dann direkt an die Empfänger. Die Reisverteilung des CATALYST-Programms wird von LOI-Mitarbeitern durchgeführt.

 

Insgesamt wurden im Zeitraum 2018 bis 2020 im Rahmen dieses Programms fast 60 Tonnen Reis an 464 Studentinnen und ihre Familien verteilt und dadurch insgesamt 1.067 Menschen ernährt.

Die 20-jährige Hao Pheara ist die älteste von sechs Kindern einer verarmten Familie im Distrikt Soth Nikum in Siem Reap. Ihre Mutter, die selbst Analphabetin ist, will zwar die schulische Ausbildung ihrer Tochter, braucht aber auch Phearas Hilfe, damit die Familie finanziell über die Runden kommt. Pheara arbeitete daher neben ihrer Schule als Hilfsarbeiterin, trug und transportierte Ziegelsteine und hatte daher große Probleme dem akademischen Programm zu folgen. Sie überlegte oft, ob sie es nicht abbrechen sollte.

 

Durch das GATE-Stipendienprogramm konnte Pheara ihrer schulischen Ausbildung endlich volle Aufmerksamkeit widmen ohne nebenbei ständig hart arbeiten zu müssen. Neben der Reisunterstützung versorgte das Stipendium sie auch mit einem neuen Fahrrad, Schuluniform, Schuhen, Schulbedarf und anderen Notwendigkeiten sowie einem monatlichen Taschengeld. Ihre Noten verbesserten sich. Pheara sieht Hoffnung für ihre Zukunft und strebt nun auf eine berufliche Eigenständigkeit zu: „Meine Familie ist sehr glücklich über die Unterstützung durch das Programm, die von entscheidender Bedeutung ist, um die finanzielle Belastung für meine Ausbildung und meinen Lebensunterhalt zu verringern“, sagte sie.

 

Lunh Chainey ist ein Schülerin der zwölften Klasse im GATE-Programm und Empfänger einer von der BGR und MiA finanzierten Reisförderung. Ihr Vater ist Lebensmittelverkäufer und ihre Mutter züchtet zu Hause Vieh. Bevor sie durch das das Stipendien- und Reisförderprogramm unterstützt wurde, bedeuteten die Schulkosten ihrer Familie den Verzicht einer Mahlzeit pro Tag. „Unser Leben ist schwierig; Wir müssen alles für die Kinder tun, um ihre Zukunft zu sichern, damit sie nicht so leiden müssen wie wir“, sagte ihre Mutter, Khim Keng. Das Reis-Unterstützungsprogramm stellte sicher, dass die ganze Familie nun wieder drei Mahlzeiten täglich zu sich nehmen können.

 

Während ihres zwölften Schuljahres teilte Chainey in einem Interview mit: „Was meine schulischen Leistungen anbelangt, bin ich unter den 50 Schülern meiner Klasse auf Platz 5-8 und dadurch zu 80 Prozent sicher, mein zwölftes Schuljahr zu bestehen.“ Ein paar Monate später berichtete sie, dass sie nicht nur erfolgreich ihren Abschluss gemacht hat, sondern sich auch einen begehrten Arbeitsplatz an einem führenden IT-Institut in Phnom Penh sichern konnte und damit einen Weg zu einer Karriere in der wachstumsstarken Technologiebranche.

 

Hong Rina ist 17 und eine Zehntklässlerin. Als zweites von sieben Kindern lebt sie mit ihrer Mutter und fünf Geschwistern in einem kleinen Raum am Stadtrand von Phnom Penh. Ihr Vater und ihr älterer Bruder leben an einem anderen Ort, um die Familie besser ernähren und die jüngeren Kinder zur Schule schicken zu können. „Früher war es schwer für mich, in der Schule zu bleiben. Ich wollte immer die Schule verlassen, um wie mein Bruder zu arbeiten. Aber meine Eltern erlaubten mir nicht, abzubrechen“, sagte sie. Sie besuchte zusätzliche Kurse, konnte sich aber nicht gut konzentrieren, weil sie sich immer Sorgen um die Mühen ihrer Familie machte.

 

Dann wurde auch sie durch das Reisförderprogramm gefördert. Sie berichtete: „Die monatlichen Reisunterstützungen sind eine große Unterstützung für meine ganze Familie. Es hilft, den täglichen Bedarf jedes Mitglieds unseres Haushalts zu decken. Mitarbeiter des Stipendienprogramms und Lehrer kommen oft zu mir nach Hause, um sich mit meiner Mutter zu unterhalten und sie zu ermutigen, meine Schulausbildung aufrecht zu erhalten. Sie überprüfen auch meine Lernleistungen und motivieren mich, weiter zur Schule zu gehen.“

 

Heute besucht Rina zusätzliche Kurse und unterstützt als Leiterin einer Rotkreuzgruppe ihre Gemeinde. Sie sagte: „Ich möchte meine Ausbildung an der Universität fortsetzen. In Zukunft möchte ich Ärztin werden oder einen anderen guten Job haben, der meiner Familie hilft und meine sechs Geschwister unterstützen kann.“ 

 

Dieser Artikel beruht auf Berichten von Lotus Outreach-Mitarbeitern / Red. RH.