Myanmar (Burma): Medizinische und schulische Versorgung von Flüchtlingskindern aus den Konfliktgebieten in Myanmar

Aktualisiert am 2. August 2021

Mitgefühl in Aktion unterstützt mit unserer Partnerorganisation Buddhist Global Relief auch in diesem Jahr das Backpack Medics Programm, das 1999 von der Burma Humanitarian Mission gegründet wurde. 

„Backpack Medics“ sind Rucksacksanitäter*innen, die in Regionen aktiv sind, in denen es keine ausreichende medizinische Versorgung gibt. Seit dem Jahr 2020 ist diese Arbeit nur noch unter den schwierigsten Bedingungen möglich. In den Einsatzgebieten im Westen und Norden Myanmars (speziell den Staaten Arakan, Kachin und Shan) gibt es die heftigsten Kämpfe. Zusätzlich sucht das Coronavirus Myanmar heim. Da die Tätigkeit der Rucksacksanitäter*innen teilweise mit großen Gefahren verbunden. Drei Viertel der Rucksacksanitäter*innen sind Frauen, für die diese Tätigkeit eine Chance ist, eine Berufsausbildung zu erhalten und auch in Zukunft berufstätigt zu sein. Wir helfen ihnen dabei, in dem wir ihren Kindern ein Leben in Sicherheit sowie eine Schulausbildung ermöglichen.

 

Die häufigste Tätigkeit für Rucksacksanitäter*innen ist die Versorgung von Verletzungen und Krankheiten – am häufigsten sind hierbei Malaria, Atemwegsinfektionen und Ruhr. Ein weiterer Schwerpunkt ist die die Betreuung von Müttern und Neugeborenen mit dem Ziel der Verringerung der Säuglingssterblichkeit. Sehr wichtig ist auch Gesundheitsvorsorge insb. Verbesserung der Hygienemaßnahmen durch Bau von Brunnen und Latrinen. Diese Arbeit ist mit Gefahren verbunden. Das Militär führt seit dem Putsch im Februar 2020 die aggressive Politik gegen ethnische und religiöse Minderheiten in Myanmar fort. In Kachin Staat im Norden Maynmars mussten aufgrund von Kämpfen 97,000 Dorfbewohner fliehen laut Angaben des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten. In den Pa’laung Gebieten im nördlichen Shan und südlichen Kachin Staat fanden wiederholt bewaffnete Übergriffe statt. Am 7. Oktober flohen 900 Dorfbewohner in Flüchtlingscamps, als die burmesische Armee ihre Dörfer Namhee und Pan Khai angriffen. Ein Dorfbewohner wurde dabei verletzt und wurde von den Rucksacksanitätern behandelt. Im Chin Staat im nördlichen Myanmar bombardierten am 5.  März burmesische Kampfjets das Dorf Wohma und töteten 8 Dorfbewohner und verletzten ein Dutzend. Die Dorfbewohner*innen flohen in das Sami Flüchtlingscamp. Im Karen State im Osten Burmas eröffnete die burmesische Armee im Dezember 2020 Artelleriefeuer auf die Dörfer des Kyauk Gyi Township, worauf 4,000 Dorfbewohner flohen.  Die Armee verhinderte jede Versorgung und medizinische Hilfe der Geflüchteten.  

 

COVID ist eine große Bedrohung für ethnische Minderheiten wegen Armut und fehlendem Zugang zu Gesundheitsversorgung. Die Armee hat wiederholt unterbunden, dass Rucksacksanitäter*innen in diesem Gebieten Corona-Aufklärung und Hilfe leisten können. Es gibt auch keine Testkits, um Corona-Infektionen festzustellen.

 

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Rucksacksanitäter*innen werden für die Dörfer ausgebildet, in denen sie leben und gehören in der Regel selbst den ethnischen Gruppen an, denen sie helfen. Sie bekommen ein 9-monatiges Training, bevor sie einem Team zugeordnet werden. Ein Team besteht aus 3 bis 4 Personen und betreut 9 bis 12 Dörfer oder Flüchtlingscamps. Im Folgenden wird anhand einiger Zahlen gezeigt, was das Backpack Medics Programm im Jahr 2020 geleistet hat:

 

 

Plan

Erreicht 

Anzahl der Teams

30

30

Anzahl Sanitäter

100

120

Versorgte Bevölkerung

72,000

80762

Anzahl behandelter Patient*innen

27,000

26713

Verabreichte medizinische Dosen

1,800,000

1,858,284

Anzahl ausgebildeter Sanitäter*innen

20

22

Anzahl gebauter Latrinen

300

363

Anzahl gebauter Brunnen

13

16

Verabreichte Dosen Entwurmungsmittel

8,000

7786

 

Für die Kinder von Rucksacksanitäter*innen wurde das Child Development Center in Zusammenarbeit mit der Mae Tao Clinic in Mae Sot Thailand eingerichtet. Dort erhalten 50-55 Kindern Schulunterricht. Das Center ist nur für burmesische Kinder, da Thailand nicht erlaubt, dass diese in den Schulen des Landes unterrichtet werden. Dort lernen sie nicht nur Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften, sondern lernen ihre ethnische Sprache, Kultur und Geschichte. Ebenso erhalten die Kinder dort Verpflegung. Eine Schülerin ist Naw Mother Paw. Sie ist 14 Jahre alt und geht in die neunte Klasse. Ihr Vater ist U Soe Hla Oo, der als Rucksacksanitäter arbeitet. Ihre Lieblingsfächer sind Englisch und Thai. Ihr Berufswunsch ist es, später als Ärztin zu arbeiten.

 

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Mitgefühl in Aktion hat sich verpflichtet, die Stipendien dieser Schüler*innen für das laufende Jahr 2020 zusammen mit Buddhist Global Relief bereit zu stellen. Bitte helfen Sie durch ihre Spende, diesen Kindern die Sicherung eines Lebens ohne Verfolgung und eine Zukunft durch Schulausbildung zu ermöglichen.

(Fotos: Burma Humanitarian Mission, Text: Tobias Trapp, Projektbeauftragter bei MiA)