Myanmar (Burma): Medizinische und schulische Versorgung von geflüchteten Rohingya-Kindern im Grenzgebiet zu Thailand

(Fotos: Burma Humanitarian Mission)

Flüchtlingskinder aus den Konfliktgebieten in Myanmar

 

25. Januar 2020

 

Wir sind besonders traurig über die schrecklichen Vertreibungen der Rohingyas aus Myanmar, können aber derzeit noch keine Arbeit dort anfangen, da wir noch nicht über die notwendigen Spendenaufkommen und dadurch die geforderte Nachhaltigkeit verfügen. Es war uns jedoch wichtig, wenigstens Menschen aus diesen Konflikten zu helfen und deshalb haben wir uns als erstes Projekt der "Mitgefühl in Aktion e.V." für die Unterstützung von Flüchtlingskindern aus Myanmar entschieden, denen wir dieses Jahr mit unserem Partner "Buddhist Global Relief" die Unterbringung und schulische Ausbildung finanzieren wollen. Dazu schreibt Bhikkhu Bodhi, unser Schirmherr:

 

Die Unterdrückung und Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten durch das Militär in Myanmar (Burma) hat eine lange und gewaltsame Geschichte. Nach Angaben des ‚Internal Displacement Monitoring Center‘ sind schätzungsweise 401.000 Menschen aus Myanmar vertrieben worden und leben in abgelegenen Dörfern oder in Flüchtlingslagern, ohne Zugang zu dringend notwendiger medizinischer Versorgung.

 

Seit 1999 ist die in den USA ansässige Burma Humanitarian Mission (BHM) gemeinsam mit dem ‚Back Pack Health Worker Team‘ (Rucksacksanitäter) im Einsatz, um Angehörigen der unterdrückten und verfolgten ethnischen Minderheiten des Landes durch Gesundheitsversorgung zu helfen. 2019 unterstützte die BHM 30 Teams von Rucksacksanitätern aus den ethnischen Minderheiten der Karen, Kachin, Shan, Pa’laung, Mon, Chin und den Rohingya. Teams aus jeweils fünf Sanitätern reisen jeden Monat in neun bis zwölf Dörfer und arbeiten mit Freiwilligen und Hebammen vor Ort zusammen, um Menschen aus den jeweiligen verfolgten Minderheiten medizinisch zu versorgen. Jedes einzelne Team, das in diesen am stärksten gefährdeten Gebieten in Myanmar arbeitet, versorgt jedes Jahr schätzungsweise rund 2.000 Menschen.

 

Die Regionen, in denen diese Sanitäter ihre Arbeit verrichten, sind nach wie vor sehr bedroht. Unsere Partner schreiben: „Im Januar 2018 wurde eine von BHM unterstützte Sanitäterin getötet, als ein burmesisches Kampfflugzeug das Dorf bombardierte, in dem sie sich um die Dorfbewohner kümmerte. Im Juli 2019 vergewaltigten und töteten Soldaten eine Mutter im Dorf Nam Sung. Im August 2019 feuerten Soldaten Mörsergranaten in ein Dorf und töteten vier Familienmitglieder in Mawhik. Solche Vorfälle ereignen sich wöchentlich.“

 

Viele der Rucksacksanitäter*innen bringen ihre Kinder nach Mae Sot, Thailand, wo sich der Hauptsitz der Einsatzkräfte befindet. Dort bietet eine Schule und ein Internat namens ‚Children's Development Center' (CDC) Bildung, Unterkunft und andere Unterstützung für die vertriebenen Kinder aus Myanmar an, von der Vorschule bis zur 12. Klasse. Die Schule füllt damit eine wichtige Lücke in der Versorgung dieser Kinder, da die dortigen thailändischen Behörden in Mae Sot Migrantenkinder aus Myanmar den örtlichen Schulbesuch verweigern. Obwohl der Unterricht offiziell nicht anerkannt wird, können diese Schüler*innen durch die erhaltene Schulausbildung jedoch anschließend einen formalen Schulabschluss in dem thailändischen ‚Non-Formal Education‘-Programm oder dem ‚GED-Programm‘ erwerben.

 

Unsere Partnerorganisation, Buddhist Global Relief, konnte im vergangenen Jahr insgesamt 55 Kindern, denen Rucksacksanitäter*innen zu einer Ausreise nach Mae Sot verhelfen konnten, dort ein Stipendium für ihre Schulausbildung sicherstellen. Die Kinder erhielten durch das Stipendium Unterricht, Essen, Schuluniformen und Schulmaterial. 32 der Kinder sind Mädchen oder junge Frauen.

 

Die Rucksacksanitäter gehören im Allgemeinen selbst zu den ethnischen Gruppen, denen sie helfen. Zusätzlich zur Allgemeinbildung für diese Schüler*innen legt die CDC großen Wert darauf, die Kinder auch über ihre eigenen Kulturen und die Geschichte der ethnischen Gruppen, denen ihre Familien angehören, zu unterrichten.

 

Drei Viertel der Rucksacksanitäter und -mitarbeiter sind Frauen, von denen viele selbst aus unterdrückten ethnischen Minderheiten stammen. Unser Partner schreibt dazu: „Für Frauen aus Burmas isolierten ethnischen Konfliktgebieten sind Ausbildungen und Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der traditionellen Rolle als Haushälterin sehr begrenzt bis unmöglich.“ Durch die Bereitstellung einer Berufsausbildung werden diese jungen Frauen darin unterstützt, zukünftig berufstätig und damit erwerbstätig werden zu können.

 

Den Kindern wird das Geschenk zuteil, Zeugen davon zu werden, wie ihre Mütter Vorbilder und Anführerinnen sozialer Gerechtigkeit in ihren Gemeinden werden und diesen dadurch dienen.

Die siebzehnjährige Naw Wah Shar Leh ist in der elften Klasse der CDC. Sie war 9 Jahre alt, als in ihrem Heimatdorf im nördlichen Shan-Gebiet ein Konflikt ausbrach. Wie viele burmesische Mädchen aus den Konfliktgebieten konnte sie nie eine Schule besuchen, bevor sie zum CDC gebracht wurde.

 

Naw Flora Hnin, neun Jahre alt, lebt am CDC und geht in die vierte Klasse. Sie ist die Tochter eines Rucksacksanitäters aus der Shan Provinz. Sie und ihre Familie gehören der Volksgruppe der Pa’laung an. „Ich habe hier viele Freunde und mag im Unterricht Mathe und Lesen am liebsten.“, sagt sie.

 

Die sechsjährige Nant Su Myat Noe Oe geht in die erste Klasse. Ihre Familie gehört der ethnischen Gruppe der Karen an. Ihr Vater arbeitet im Headquarter der Rucksacksanitäter*innen in Mae Sot.

Naw Tha Dah Bleh, 16, lebt ebenfalls im CDC. Auch ihr Vater ist Rucksacksanitäter im Gebiet der Karen. Sie teilte uns mit: „Die Armee und die Soldaten haben lange um unser Dorf gekämpft. Deshalb hatten wir keinen Unterricht. Ich fühle mich am CDC sicher.“ Sie hofft, eines Tages Lehrerin zu werden.

 

Mitgefühl in Aktion hat sich verpflichtet, die Stipendien dieser Schüler*innen für das laufende Jahr 2020 zusammen mit Buddhist Global Relief bereit zu stellen. Bitte helfen Sie durch ihre Spende, diesen Kindern die Sicherung eines Lebens ohne Verfolgung und eine Zukunft durch Schulausbildung zu ermöglichen. 

 

Übersetzung: Raimund Hopf,  Bearbeitung: Nicole Sutter