David Loy

Der Bodhisattva/Ökosattva-Pfad 

(Dies sind nur Stichpunkte des Buddha-Talks vom 17. Juni 2021 und stellen keinen zitierbaren Text des Verfassers da. Siehe: https://youtu.be/S5s2xWfTazc)

 

Es ist Zeit für Buddhisten aufzuwachen! Ja, im Buddhismus ging es schon immer um das Aufwachen - das Wort "Buddha" bedeutet "der Erwachte“, aber heute müssen wir in einem anderen/zusätzlichen Sinn aufwachen: zu dem, was in der Welt geschieht.

 

Chomsky behauptet: "Die Welt befindet sich in der gefährlichsten Zeit, die die Menschheitsgeschichte je erlebt hat.“ Es gibt viele Dimensionen der Krise, ökonomisch [riesige, wachsende Kluft], politisch [steigender Autoritarismus, Demokratie zerbrechlich], Rassismus und andere Formen des Tribalismus, aber die wichtigste ist die ökologische Krise. Beachten Sie, dass ich nicht Klimawandel oder Klimakrise sage, die ökologische Krise ist viel größer als das [6. großes Aussterbeereignis; Schadstoffe/Gifte im Wasser, in der Luft, in der Erde, im Boden, in unseren Körpern; Atommüll; Verlust von Mutterboden/Wäldern; Kunststoffe; Überbevölkerung, usw.]. Ich lade Sie ein, zu bedenken, dass all dies zusammen eine Zivilisation offenbart, die ihren Weg verloren hat. Im letzten Jahrhundert wurde die Menschheit zum ersten Mal eine wirklich globale Zivilisation, doch ironischerweise scheint sie sich dadurch zu zerstören [entgegen dem Nachkriegsglauben an den "Fortschritt"]. 

 

Was sollten wir tun, als Reaktion auf diese gefährliche Situation? Mir kommen da einige Zen-Antworten von Meistern in den Sinn. "Was sollen wir tun, wenn schwierige Zeiten kommen?“ - "Heiße sie willkommen." Unser Weg besteht nicht darin, Schwierigkeiten zu vermeiden. Ein Schüler fragte Chan (Zen) Meister Yunmen: "Was ist die Frucht einer lebenslangen Praxis?" Er antwortete: "Eine angemessene Antwort.  ...angemessen reagieren zu können." Aber wie können wir das tun? Was hat der Buddhismus zu bieten, das uns helfen kann, unsere Situation zu verstehen und angemessen zu reagieren? Vielleicht nichts? Der Buddha lebte vor etwa 2400 Jahren, aber das hatte Auswirkungen. Es scheint mir, dass der wichtigste Beitrag des Buddhismus angesichts unserer heutigen Situation der Bodhisattva-Pfad ist - oder nennen wir ihn den neuen Bodhisattva-/Ökosattva-Pfad. Ich möchte drei Aspekte hervorheben: 

 

Erster Aspekt: 

 

Beidseitige Praxis [wie eine Münze] ist das grundlegendste. Meistens praktizieren wir für unser eigenes Erwachen/unsere eigene Entwicklung des Gleichmuts. Doch das ist nicht genug. Wir wollen auch "anderen" helfen, weil sie nicht wirklich anders sind, im Sinne von getrennt von uns selbst. Mit anderen Worten: Jede Praxis braucht die andere. 

 

Das Problem für die in der Welt Engagierten/Aktivisten ist, dass ihnen ohne den durch Meditation kultivierten Gleichmut in der Regel ein stabiler Boden für ihre Lebensarbeit fehlt, was sie anfälliger für Frustration, Ärger, Depressionen, Müdigkeit und Burnout macht und damit tendenziell das schwächt, was sie beitragen können.

 

Auf der anderen Seite ist die Anerkennung der Wichtigkeit von sozialem Engagement ein großer Schritt für viele Buddhisten, denen normalerweise beigebracht wurde, sich auf ihren eigenen individuellen Seelenfrieden zu konzentrieren. Die Versuchung für buddhistisch Praktizierende ist die Anhaftung an diese Gelassenheit (oder das "Festhalten an der Leerheit") und damit das Losgelöstsein von/gleichgültig gegenüber dem, was in der Welt geschieht. Gewöhnlich beginnen wir den Pfad, weil es in unserem Leben ein gewisses dukkha/eine gewisse Unzufriedenheit gibt, also eine natürliche Selbstsorge. Aber wenn wir nur mit unserem eigenen geistigen Zustand und dem Fortschritt zur Erleuchtung beschäftigt bleiben, wird das schließlich selbstzerstörerisch, da es tatsächlich das Gefühl eines Selbst verstärkt, dessen Wohlbefinden vom Wohlbefinden anderer getrennt ist. Insofern das Gefühl eines getrennten Selbst das grundlegende Problem ist, ist mitfühlendes Engagement für das Wohlergehen anderer - aller! - ist ein wichtiger Teil der Lösung. 

 

Joanna Macy sagt: "In den frühen buddhistischen Schriften gibt es eine einfache und wunderbare Formulierung, die die Beziehung zwischen Weisheit und Handlung beschreibt: Sie sind ‚wie zwei Hände, die sich gegenseitig waschen‘.  Es ist ein Tanz der Wechselseitigkeit.“ 

Franz Kafka: "Du kannst dich von den Leiden der Welt zurückhalten, das steht dir frei [und es entspricht deiner Natur], aber vielleicht ist gerade dein Zurückhalten das einzige Leiden, das du vermeiden könntest." Warum?

 

Entgegen dem romantisierten Mythos des Meditierenden [z.B. Milarepa] in der Höhle, der vollständig erleuchtet wird, anstatt diese Welt des Samsara/Leidens zu transzendieren, bleibt man mitfühlend in der Nähe, um dem Rest von uns zu helfen. Joanna Macy: „Die Welt hat eine Rolle in unserem Erwachen zu spielen.“ Ram Dass: „Du denkst, du bist erleuchtet? Denn geh und verbringe die Feiertage mit deiner Familie.“ Unsere persönliche Praxis wird zu einem Werkzeug der Selbstschärfung. Die Beschäftigung mit den Problemen der Welt ist daher nicht als Ablenkung von unserer persönlichen spirituellen Praxis zu verstehen, sondern als ein wesentlicher Teil davon. Derjenige, der am meisten davon profitiert, ist der Bodhisattva selbst.

Kukai/Kobo Daishi: „Der Maßstab für unsere Erleuchtung ist, wie wir anderen dienen.“

 

Zweiter Aspekt: 

 

Warum ein „neuer“ Bodhisattva/spiritueller Weg? Leiden, dukkha das der Bodhisattva zu lindern verpflichtet ist, ist das wichtigste Konzept im frühen Buddhismus und im Mittelpunkt der vier edlen Wahrheiten. Der Buddha sagte: "Alles, was ich zu lehren habe, ist dukkha und wie man es beendet.“ Heute haben wir ein tieferes und besseres Verständnis davon, woher dieses Leiden kommt, wie man es angeht. Nämlich nicht nur auf individueller Ebene, aufgrund des individuellen Karmas. Es scheint mir, dass der Buddha fortschrittlicher war [siehe Umgang mit Frauen und Kaste] als die Institution, die sich nach seinem Tod entwickelte, die sich mit den Herrschenden arrangierte. Das traditionelle buddhistische Verständnis davon, woher unsere Probleme kommen ist: „Sie sind mein eigenes Karma, aus meinen vergangenen Handlungen. Also gib niemandem und nichts die Schuld.“ Dagegen sollten wir verstehen, wie historische Kräfte uns gefangen nehmen können. Eine Möglichkeit, das Problem hier auszudrücken: Der Buddhismus konzentriert sich nicht auf ‚das Böse‘, sondern auf die drei Gifte/Brände (Gier, Hass und Verblendung). Und heute können wir sehen, wie sich diese drei Gifte nicht nur individuell sind, sondern institutionalisiert auswirken. Gier: „Nie genug" in Kapitalismus/Konsum/BSP. Hass: In Tribalismen wie Rassismus/Nationalismus/Militarismus.  Verblendung: "Fake News“, Werbung, Propaganda usw. 

 

Soweit ich das beurteilen kann, haben viele Buddhisten heute ein besseres Verständnis dafür, wie wichtig es ist, anderen Individuen „aus dem Fluss“ zu retten [Obdachlose; Gefängnis-Dharma; Hilfe im Hospiz], doch sie fragen nicht genügend danach, warum so viele weitere Menschen im Fluss ertrinken. Die Art von kollektiver Krise/Notlage, mit der wir jetzt konfrontiert sind, erfordert, dass wir uns fragen, wie wir auf kollektive/institutionalisierte Gier/Willkür/Verblendung reagieren können. Bill McKibben sagt: „Hört auf, ein Individuum zu sein." Es gibt viele Buddhas/Lehrer, Dharma/Lehren, aber wir sind sehr schwach an Sangha/Gemeinschaft.“ Um kollektive/ institutionelle Probleme anzugehen, müssen wir jedoch zusammenarbeiten...

 

Dritter Aspekt: 

 

Der Bodhisattva-Pfad sagt uns nicht, was wir tun sollen, sondern wie wir es tun sollen. Macht Sinn: Des Buddha Zeit und nachfolgende Traditionen sind ganz verschieden. Das auf uns anzuwenden, braucht Flexibilität. Sie sind einfach eine allgemeine Vorlage.

 

Was ist also das "Wie", das der Bodhisattva-Pfad hervorhebt? Klassischerweise kultivieren und entwickeln Bodhisattvas die Paramitas [wörtlich "Vollkommenheiten"] und üben sich in der Entwicklung bestimmter Charaktereigenschaften, normalerweise sechs: Großzügigkeit, ethisches Verhalten, Geduld, Entschlossenheit, Meditation und Weisheit. 

 

Weitere zu beachtende Aspekte: Die buddhistische Betonung der gegenseitigen Abhängigkeit ("wir sitzen alle im selben Boot") und der Verblendung (statt Gut gegen Böse) impliziert nicht nur Gewaltlosigkeit (Gewalt ist in der Regel selbstzerstörerisch), sondern eine Politik, die durch Liebe und Mitgefühl (eher nondual) motiviert ist, statt durch Wut (die zwischen uns und ihnen dualisiert). Heute besteht das Grundproblem nicht darin, reiche und mächtige schlechte Menschen [loszuwerden], sondern institutionalisierte Strukturen von kollektiver Gier, Aggression und Verblendung, die transformiert werden müssen. Manchmal muss man einfach stoppen, was die Leute tun, aber das bedeutet nicht, sie zu hassen. (Gibt es so etwas nicht auch im Christentum? „Hasse die Sünde, nicht den Sünder.“)

 

Der Pragmatismus und der Nicht-Dogmatismus des Buddha (seine Lehren sind ein Floß, das uns hilft, den Fluss des Samsara zu überqueren, nicht ein Dogma, das wir "auf dem Rücken tragen") können helfen, die ideologischen Streitigkeiten zu durchbrechen, die so viele progressive Bewegungen geschwächt haben. Und die Mahayana-Betonung von upaya-kausalya "Geschicklichkeit in den Mitteln" (manchmal als siebtes Paramita betrachtet), die Fähigkeit, sich anzupassen und erfolgreich auf neue Situationen zu reagieren, stellt die Bedeutung der kreativen Vorstellungskraft in den Vordergrund und sind ein notwendiges Attribut, wenn wir eine gesündere Art des Zusammenlebens auf diesem Planeten mitgestalten wollen. 

 

Aber nichts davon kommt an das heran, was am spirituellen Aktivismus am unverwechselbarsten und kraftvollsten ist: Der Bodhisattva handelt ohne Anhaftung an die Ergebnisse seiner Handlung. Im Pali-Kanon sagte der Buddha, dass ein Merkmal einer erwachten Person ist, dass ihre Handlungen nirasa sind, eine Übersetzung davon ist "ohne Erwartung/ohne Hoffnung". Auch im späteren Buddhismus: Aphorismus 28 der tibetischen Lojong-Schulung bietet eine klassische Formulierung dieser Art von Nicht-Anhaftung: "Verzichte auf jede Hoffnung/Erwartung auf Verwirklichung. Verstricke dich nicht darin, wie du in der Zukunft sein wirst, sondern bleibe im gegenwärtigen Moment." Dieses Prinzip ist nicht spezifisch oder nur buddhistisch; es ist auch ein wesentlicher Aspekt des Karma-Yoga im wichtigsten hinduistischen Text, der Bhagavad-gita: "Dein Recht ist auf die Arbeit, niemals auf die Früchte." (2:47).

 

Aber Handeln ohne Anhaftung wird leicht missverstanden. Es suggeriert eine beiläufige Haltung, die sich zu sehr auf [eine buddhistische Betonung der] Motivation/Absicht konzentriert. "Was wichtig ist, ist die Absicht hinter meinen Handlungen, nicht die Ergebnisse. Die Ergebnisse sind nicht wichtig.“ Diese Herangehensweise wird niemals die notwendigen Veränderungen herbeiführen, denn sie verfehlt den Punkt, was Nicht-Anhaften wirklich bedeutet. Lassen Sie mich dies abschließend ausführen.

Betrachten Sie zunächst den Unterschied zwischen einem Marathon und einem Hundert-Meter-Lauf. Bei einem Hundert-Meter-Lauf kommt es nur darauf an, so schnell wie möglich ins Ziel zu sprinten. Sie haben keine Zeit, an etwas anderes zu denken. Aber einen Marathon kann man so nicht laufen, weil man sich sonst bald erschöpft. Stattdessen geht man sein Tempo, man folgt der Strecke, ohne sich auf die Ziellinie zu fixieren. Wenn Sie in die richtige Richtung laufen, kommen Sie irgendwann an, aber dabei müssen Sie sich darauf konzentrieren, im Hier und Jetzt zu sein, nur diesen Schritt, nur diesen Schritt...  Es gibt einen japanischen Begriff dafür: tada, nur dies! Und das Pali tathata/tathagatha, „einer, der einfach kommt und einfach geht“. Man nähert sich dem Ziel, weil man das tut, was jetzt gerade jetzt notwendig ist: Genau das! Und natürlich ist es das, was unsere Praxis schon immer gefördert hat: Wenn unsere Gedanken abschweifen, kehren wir ins Jetzt zurück.

 

Aber es gibt noch mehr zu sagen. Obwohl ein Marathon ein langes Rennen ist, erreicht man früher oder später das Ende und bleibt stehen; es ist vorbei. Was ist mit einem Pfad ohne Ende, mit einer Aufgabe, die so schwierig ist, dass wir entmutigt werden könnten? Wie zum Beispiel die "Rettung" [oder Befreiung] aller fühlenden Wesen im Universum, wie auch immer wir das verstehen? In Zen-Tempeln und Klöstern rezitieren die Praktizierenden täglich die vier "Bodhisattva-Gelübde". Das erste ist, allen Lebewesen beim Erwachen zu helfen: "Die Lebewesen sind zahllos; ich gelobe, sie alle zu befreien." Wenn wir wirklich verstehen, was diese Verpflichtung beinhaltet, wie können wir dann vermeiden, uns überwältigt zu fühlen? Wir geloben, etwas zu tun, was unmöglich erreicht werden kann. 

 

Dass das Gelübde nicht erfüllt werden kann, ist nicht das Problem, sondern der Sinn des Ganzen. Da es nicht erreicht werden kann, fordert das Gelübde in Wirklichkeit eine Neuausrichtung des eigenen Lebens, weg von der üblichen Selbstbezogenheit hin zur primären Sorge um das Wohlergehen aller. Auf der alltäglichen Ebene wird nicht das unerreichbare Ziel wichtig, sondern die Richtung der eigenen Bemühungen - eine Richtung, die uns in diesem Fall ausrichtet, ohne einen Endpunkt vorzugeben. Was bedeutet das für die Art und Weise, wie wir auf die Öko-Krise reagieren? Jemand, der sich freiwillig für eine Aufgabe gemeldet hat, die buchstäblich unmöglich ist, wird sich nicht von Herausforderungen einschüchtern lassen, die manchmal hoffnungslos erscheinen. 

 

Es ist eine neue Art des In-der-Welt-Seins, eine neue Grundausrichtung des eigenen Lebens. Egal, was passiert, wir lassen uns nicht entmutigen - nun ja, jedenfalls nicht lange, wir bleiben nicht entmutigt. Wir brauchen vielleicht erst ein paar achtsame Atemzüge, aber dann stauben wir uns ab und machen weiter. Das liegt daran, dass dieses Gelübde über jede Anhaftung an eine bestimmte Leistung oder an eine Niederlage hinausgeht. Wenn unsere Bemühungen erfolgreich sind, ist es an der Zeit, zur nächsten Sache überzugehen. Wenn sie nicht erfolgreich sind, versuchen wir es weiter ... bis in alle Ewigkeit. Das ist keine Last/unendliche Mühe! Sobald wir unsere Nondualität mit anderen Menschen und mit diesem großartigen Planeten, der sich um uns alle kümmert, erkannt haben, ist dies die Art, wie wir leben wollen; wir wollen nichts anderes mehr tun. Es wird unsere Leidenschaft und unsere Freude.

 

Aber es gibt einen dritten und letzten Punkt, der für mich am meisten heraussticht. Seien wir offen/ehrlich: Gerade die Klimakrise/ökologische Situation sieht sehr schwierig aus. Es besteht die sehr reale Möglichkeit, dass unsere Bemühungen vergeblich sein werden. Privat und manchmal auch öffentlich werden immer mehr Wissenschaftler pessimistisch: Wir könnten kurz vor einem Kipppunkt stehen oder ihn bereits überschritten haben. Es ist schwer vorauszusehen, was passieren wird, aber es sieht nicht gut aus. Nicht nur für die moderne Zivilisation, sondern [einige spekulieren] vielleicht für das Überleben unserer Spezies. Wir wissen es einfach nicht.

 

"Wir wissen es einfach nicht." Hmmm... klingt das bekannt? Ist das nicht etwas, das unsere kontemplativen Praktiken kultivieren: „Weiß-nicht-Geist“ (don’t know mind)? "Nichtwissen ist das Intimste." Es ist der erste Grundsatz der Zen-Friedensstifter (die anderen beiden sind das Bezeugen der Freuden und Leiden der Welt und das Ergreifen von Handlungen, die aus dem Nicht-Wissen und dem Bezeugen entstehen). Roshi Egyoku Nakao beschreibt es als einen "Blitz der Offenheit oder eine plötzliche Verschiebung hin zum Gegenwärtigsein im Moment", in dem wir "Zuflucht nehmen [uns öffnen!] an dem Ort, bevor etwas entsteht, einem Ort der Leere und tiefen Stille." Wir werden weiträumiger, werden uns unserer eigenen Reaktivität bewusster und sind offener für die Sichtweisen der anderen. Ein solches "Nichtwissen" ist keine feste Position, sondern eine Art, sich auf die Welt einzulassen, so wie sie ist, genau hier und jetzt. Wir wissen nicht, was als Nächstes passieren wird, aber wir tun das Beste, was wir können, entsprechend dem, was wir verstehen können, bereit, das zu ändern, was wir tun, wenn sich die Situation oder unsere Sicht der Situation ändert.

 

Einer meiner Zen-Lehrer, Robert Aitken, sagte gerne, dass unsere Aufgabe nicht darin besteht, das Mysterium aufzuklären, sondern das Mysterium klar zu machen (our task is not to clear up the mystery but to make the mystery clear). Auf dem spirituellen Weg geht es nicht darum, alles zu verstehen, sondern sich zu öffnen, um eine geheimnisvolle [und heilige] Welt zu erfahren, in der sich alles verändert, ob wir es bemerken oder nicht. Bodhisattvas erlangen Zugang zu diesem Mysterium, nicht indem sie es ergreifen, um gelassen darin zu ruhen, sondern indem sie von ihm ergriffen werden. Sie manifestieren etwas, das größer ist als ihre Egos.

 

Für diejenigen, die auf dem Pfad sind, ist dieses ehrfurchtgebietende Mysterium nicht lähmend, sondern ermächtigend, denn es befreit uns von Dogmatismus und anderen fixen Ideen über uns selbst und die Welt. Wir tun das Beste, was wir können, als Antwort auf das Beste, was wir wissen, obwohl wir nie mit Sicherheit wissen, was geschieht oder was möglich ist. Howard Zinn: "Es gibt eine Tendenz zu denken, dass das, was wir im gegenwärtigen Moment sehen, fortbestehen wird. Wir vergessen, wie oft wir über den plötzlichen Zerfall von Institutionen, über außergewöhnliche Veränderungen im Denken der Menschen, über unerwartete Ausbrüche der Rebellion gegen Tyranneien, über den schnellen Zusammenbruch von Machtsystemen, die unbesiegbar schienen, erstaunt waren.“ Einst waren der „kalte Krieg“, Ost-West-Trennung eine fixe Realität, dann zerfiel die UDSSR plötzlich - völlig unerwartet. Stehen wir gerade jetzt wieder an der Schwelle zu so etwas? Im Nachhinein können wir immer eine Ursachenkette finden, die zeigt, dass diese Ereignisse unvermeidlich oder sehr wahrscheinlich waren - aber das ist im Nachhinein. Wenn wir nicht einmal wissen, was jetzt geschieht, wie können wir dann wissen, was möglich ist, bis wir es versuchen? 

 

Es geht nicht darum, optimistisch zu sein [Beispiel für dualistisches Denken: Dualität mit Pessimismus - "ein Pessimist ist jemand, der mit einem Optimisten zusammenleben musste"] oder hoffnungsvoll [eine weitere Dualität mit Angst/Verzweiflung - wir springen zwischen beiden hin und her, aber beide beinhalten geistige Anhaftung an Ergebnisse, an eine Vorstellung davon, wie die Zukunft sein sollte] Bodhisattvas werden durch etwas Tieferes zum Handeln bewegt: eine mitfühlende Großzügigkeit des Geistes, die sich selbst ausdrücken möchte und, obwohl sie Ergebnisse sucht, diese nicht verlangt. 

Joanna Macy: "Ich finde, dass es nicht sehr hilfreich ist, Menschen zu versichern, dass es Hoffnung gibt, mich eingeschlossen. Im Buddhismus gibt es kein Wort für Hoffnung. Es würde als Ablenkung von dem, was gerade ansteht, angesehen werden.  Es bringt dich aus dem gegenwärtigen Moment heraus und in die Vermutung hinein.  Ich denke, alles, was wir wirklich können, ist das zu bejahen, auf das wir unsere Aufmerksamkeit richten wollen. Ich habe die Wahl: Will ich aufgeben und mich der großen Auflösung hingeben, oder will ich mich denen anschließen, die für eine lebenswerte Zukunft arbeiten? Da der Ausgang ungewiss ist, müssen wir es genießen, etwas zu tun, das spannend und nützlich ist, ohne sicher zu wissen, ob es klappen wird." 

 

Mir gefällt, wie Vaclav Havel die Hoffnung neu definiert hat: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgehen wird, sondern die Gewissheit, dass es sich lohnt, etwas zu tun, unabhängig davon, wie es ausgeht. " Von einer anderen Seite betrachtet, Wendell Berry: "Wir haben nicht das Recht zu fragen, ob wir Erfolg haben werden oder nicht; die einzige Frage, die wir stellen dürfen, ist: Was ist das Richtige zu tun? Was verlangt diese Erde von uns, wenn wir weiterhin auf ihr leben wollen?" 

 

Dies verweist auf die tiefste Bedeutung des Nicht-Anhaftens an Ergebnisse, des "Nicht-Wissen-Könnens" in einer Zeit der Weltkrise. Unsere Aufgabe ist es, das Beste zu tun, was wir können, ohne zu wissen, was die Konsequenzen sein werden, ohne zu wissen, ob unsere Bemühungen überhaupt einen Unterschied machen werden. Haben wir den ökologischen Kipp-Punkt bereits überschritten und ist die Zivilisation, wie wir sie kennen, dem Untergang geweiht? Wir wissen es nicht, aber das ist in Ordnung. Natürlich gibt es Hoffnung, im Sinne unserer Sorge, dass unsere Bemühungen Früchte tragen werden. Wir versuchen, strategisch vorzugehen, doch letztlich ist das, was wir tun, unser Geschenk an die Erde, kostenlos. Man gibt kein Geschenk mit der Erwartung einer Gegenleistung - das wäre kein Geschenk. Wir wissen nicht, ob das, was wir tun, wichtig ist, aber wir wissen, dass es für uns wichtig ist, es zu tun. 

Ohne Anhaftung an Ergebnisse zu handeln, ist sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich, es sei denn, man hat eine spirituelle Grundlage/aus der Praxis.  Natürlich bedeutet es, die Messlatte unrealistisch hoch zu legen, wenn wir so wenig an die Ergebnisse unserer Bemühungen gebunden sind. Vielleicht ist niemand in der Lage, die doppelte Praxis eines Bodhisattvas vollständig zu verkörpern, und das ist auch in Ordnung. Unsere Aufgabe ist es nicht, perfekt zu sein, sondern das Beste zu tun, was wir können. Und schließlich frage ich mich, ob die Erde heute nicht alle von uns aufruft, Bodhisattvas/Ökosattvas zu werden? 

 

Es scheint mir, dass, wenn zeitgenössische Buddhisten diesem Bodhisattva-Pfad nicht folgen können oder wollen, dann ist der Buddhismus nicht das, was die Welt im Moment braucht. Aber was ich in diesem Vortrag versucht habe, ist zu zeigen, wie sehr der Buddhismus uns tatsächlich helfen kann, die größten Herausforderungen, denen die Menschheit je gegenüberstand, zu verstehen und darauf zu reagieren. 

 

Reflexion: "Wie man in drei Stufen ein Bodhisattva wird"

 

1. Denken Sie über Ihre eigene Situation nach, was Sie mitbringen/anbieten können: z. B. Alter/Gesundheit/Fähigkeiten/Fähigkeiten/Ausbildung/Ressourcen, zu denen Sie Zugang haben.

 

2. Denken Sie über die Möglichkeiten nach, die Ihnen in der Situation, in der Sie sich befinden, zur Verfügung stehen: Standort [wo Sie sind oder sein könnten]/Probleme [Herausforderungen, z. B. Fracking hier in Ost-Colorado]/ Netzwerk von Kontakten.

 

3. Das Wichtigste: Öffnen Sie sich/hören Sie zu/denken Sie nach: Was geht Ihnen ans Herz? Z.B. sehr schwierige Situation für viele arme Menschen während dieser Pandemie - Nahrung für sie?; Migranten, die an der Grenze eingesperrt sind; Rassismus, Ureinwohner Amerikas; Umstellung auf erneuerbare Energien; politische Arbeit - z.B. wählen gehen... Doch all das kann einige Zeit dauern...

Übersetzung und Veröffentlichung anlässlich unseres Juni-Aktionsmonats 2021:

 

Die Zeit zum Handeln ist jetzt

Eine buddhistische Erklärung zum Klimawandel

2015

Bhikkhu Bodhi und David Loy

 

Wir leben heute in einer Zeit der großen Krise, konfrontiert mit der größten Herausforderung, vor die die Menschheit je gestellt wurde: den ökologischen Folgen unseres eigenen kollektiven Karmas. Der wissenschaftliche Konsens ist überwältigend: Es ist das Handeln der Menschheit, die den Zusammenbruch der Umwelt in einem planetarischen Ausmaß auslöste. 

 

Insbesondere die globale Erwärmung vollzieht sich viel schneller als vorhergesagt, am deutlichsten am Nordpol. Seit Hunderttausenden von Jahren war der Arktische Ozean von einem Meereis bedeckt, das so groß wie Australien war, doch jetzt rapide schmilzt. Im Jahr 2014 prognostizierte das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dass die Arktis bis Mitte des Jahrhunderts ohne sommerliches Meereis sein könnte. Andere führende Wissenschaftler sind der Meinung, dass dies innerhalb eines Jahrzehnts geschehen könnte.

 

Auch die Gletscher auf der ganzen Welt gehen schnell zurück. Wenn die derzeitige Wirtschaftspolitik anhält, werden die Gletscher des tibetischen Plateaus, die Quelle der großen Flüsse, die Milliarden von Menschen in Asien mit Wasser versorgen, wahrscheinlich bis Mitte des Jahrhunderts verschwinden. Schwere Dürren und Ernteausfälle betreffen bereits jetzt viele Länder. Maßgebliche Berichte des IPCC, der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der International Union for Conservation of Nature - stimmen darin überein, dass ohne einen kollektiven Richtungswechsel bis 2030 die schwindenden Vorräte an Wasser, Nahrungsmitteln und anderen Ressourcen bis Mitte des Jahrhunderts zu weit verbreiteten Hungersnöten, Ressourcenkämpfen und Massenmigration führen könnten , so der oberste wissenschaftliche Berater des Vereinigten Königreichs.

 

Die globale Erwärmung spielt auch eine große Rolle bei anderen ökologischen Krisen, einschließlich des Verlustes vieler Pflanzen- und Tierarten, die diese Erde mit uns teilen. Ozeanographen berichten, dass die Hälfte des Kohlenstoffs, der durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt wird, von den Ozeanen absorbiert wurde und deren Säuregehalt um etwa 30 % erhöht hat. Die Versauerung stört die Verkalkung von Muscheln und Korallenriffen und bedroht das Planktonwachstum, die Quelle der Nahrungskette für das meiste Leben im Meer.

 

Renommierte Biologen und UN-Berichte stimmen darin überein, dass „weitermachen wie bisher“ die Hälfte aller Arten auf der Erde innerhalb dieses Jahrhunderts zum Aussterben bringen wird. Gemeinsam verletzen wir das erste ethische Gelübde, „Ich will vermeiden, Lebewesen zu schaden“, im größtmöglichen Ausmaß. Und wir können die biologischen Konsequenzen für das menschliche Leben nicht vorhersehen, wenn so viele Arten, die wenn auch für uns nicht sichtbar, zu unserem eigenen Wohlbefinden beitragen, vom Planeten verschwinden.

 

Viele Wissenschaftler sind zu dem Schluss gekommen, dass das Überleben der menschlichen Zivilisation auf dem Spiel steht. Wir haben einen kritischen Punkt in unserer biologischen und sozialen Evolution erreicht. Es gab noch nie eine wichtigere Zeit in der Geschichte, um die Richtlinien des Buddhismus im Namen aller Lebewesen zur Geltung zu bringen. Die vier edlen Wahrheiten bieten einen Rahmen, um unsere gegenwärtige Situation zu diagnostizieren und angemessene Richtlinien zu formulieren. Denn die Bedrohungen und Katastrophen, denen wir gegenüberstehen, entspringen letztlich dem menschlichen Geist und erfordern daher tiefgreifende Veränderungen in unserem Geist. Wenn persönliches Leiden von Begierde und Unwissenheit herrührt - von den drei Giften der Gier, des bösen Willens und der Verblendung, so gilt das auch für das Leiden, das uns im kollektiven Maßstab heimsucht. 

 

Unsere ökologische Notlage ist eine größere Version des immerwährenden menschlichen Dilemmas. Sowohl als Individuen als auch als Spezies leiden wir unter einem Selbstgefühl, das sich nicht nur von anderen Menschen, sondern auch von der Erde selbst abgekoppelt fühlt. Wie Thích Nhất Hạnh gesagt hat: „Wir sind hier, um aus der Illusion unseres Getrenntseins zu erwachen.“ Wir müssen aufwachen und erkennen, dass die Erde sowohl unsere Mutter als auch unser Zuhause ist - und in diesem Fall kann die Nabelschnur, die uns mit ihr verbindet, nicht durchtrennt werden. Wenn die Erde krank wird, werden wir krank, denn wir sind ein Teil von ihr.

 

Unsere derzeitigen wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen mit dem Rest der Biosphäre sind nicht nachhaltig. Um die bevorstehenden rauen Übergänge zu überstehen, müssen sich unsere Lebensstile und Erwartungen ändern. Dazu gehören neue Gewohnheiten ebenso wie neue Werte. Die buddhistische Lehre, dass die allgemeine Gesundheit des Individuums und der Gesellschaft vom inneren Wohlbefinden abhängt und nicht nur von wirtschaftlichen Indikatoren, hilft uns, die persönlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zu bestimmen, die wir vornehmen müssen.

Jeder Einzelne von uns muss sich Verhaltensweisen aneignen, die unser tägliches ökologisches Bewusstsein erhöhen und unseren „Kohlenstoff-Fußabdruck“ reduzieren. Diejenigen von uns in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften müssen ihre Häuser und Arbeitsplätze energetisch nachrüsten und isolieren, die Thermostate im Winter senken und im Sommer erhöhen, hocheffiziente Glühbirnen und Geräte verwenden, ungenutzte Elektrogeräte ausschalten, möglichst kraftstoffsparende Autos fahren und den Fleischkonsum zugunsten einer gesunden, umweltfreundlichen pflanzlichen Ernährung reduzieren.

 

Diese persönlichen Aktivitäten werden allein nicht ausreichen, um zukünftiges Unheil abzuwenden. Wir müssen auch institutionelle Veränderungen vornehmen, sowohl technologisch als auch wirtschaftlich. Wir müssen unsere Energiesysteme so schnell wie möglich „entkarbonisieren“, indem wir fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energiequellen ersetzen, die unbegrenzt, gutartig und harmonisch mit der Natur sind. Insbesondere müssen wir den Bau neuer Kohlekraftwerke stoppen, da Kohle die bei weitem umweltschädlichste und gefährlichste Quelle für atmosphärischen Kohlenstoff ist. Klug eingesetzt, können Windkraft, Solarenergie, Gezeitenkraft und Erdwärme die gesamte Elektrizität liefern, die wir benötigen, ohne die Biosphäre zu schädigen. Da bis zu einem Viertel der weltweiten Kohlenstoffemissionen aus der Abholzung von Wäldern resultiert, müssen wir die Zerstörung der Wälder rückgängig machen, insbesondere des lebenswichtigen Regenwaldgürtels, in dem die meisten Pflanzen- und Tierarten leben.

 

Es ist in letzter Zeit ziemlich offensichtlich geworden, dass auch in der Art und Weise, wie unser Wirtschaftssystem strukturiert ist, erhebliche Änderungen erforderlich sind. Die globale Erwärmung steht in engem Zusammenhang mit den gigantischen Energiemengen, die unsere Industrien verschlingen, um den Konsum zu ermöglichen, an den sich viele von uns gewöhnt haben. Aus buddhistischer Sicht würde eine gesunde und nachhaltige Wirtschaft vom Prinzip der Suffizienz bestimmt werden: Der Schlüssel zum Glück ist Zufriedenheit und nicht ein immer größer werdender Überfluss an Gütern. Der Zwang, immer mehr zu konsumieren, ist ein Ausdruck von Begierde, genau das, was der Buddha als Ursache des Leidens ausgemacht hat.

 

Anstelle einer Wirtschaft, die den Profit in den Vordergrund stellt und ständiges Wachstum erfordert, um einen Kollaps zu vermeiden, müssen wir uns gemeinsam auf eine Wirtschaft zubewegen, die einen zufriedenstellenden Lebensstandard für alle bietet und uns gleichzeitig erlaubt, unser volles (auch spirituelles) Potenzial in Harmonie mit der Biosphäre zu entwickeln, die alle Lebewesen, auch zukünftige Generationen, erhält und nährt. Wenn die politischen Führer nicht in der Lage sind, die Dringlichkeit unserer globalen Krise zu erkennen, oder nicht gewillt sind, das langfristige Wohl der Menschheit über den kurzfristigen Nutzen der fossilen Brennstoffkonzerne zu stellen, müssen wir sie durch anhaltende Kampagnen ziviler Aktionen herausfordern.

 

Dr. James Hansen von der NASA und andere Klimaforscher haben kürzlich die genauen Ziele definiert, die erforderlich sind, um zu verhindern, dass die globale Erwärmung katastrophale „Kipppunkte“ erreicht. Damit die menschliche Zivilisation nachhaltig ist, darf der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre nicht mehr als 350 Teile pro Million (ppm) betragen. Dieses Ziel wurde vom Dalai Lama zusammen mit anderen Nobelpreisträgern und angesehenen Wissenschaftlern befürwortet. Unsere derzeitige Situation ist äußerst besorgniserregend, da der Wert bereits bei 400 ppm liegt und um 2 ppm pro Jahr ansteigt. Wir sind gefordert, nicht nur die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren, sondern auch große Mengen des bereits in der Atmosphäre vorhandenen Kohlenstoffgases zu entfernen.

Als Unterzeichner dieser Erklärung der buddhistischen Prinzipien erkennen wir die dringende Herausforderung des Klimawandels an. Wir schließen uns dem Dalai Lama an und befürworten das 350 ppm-Ziel. In Übereinstimmung mit den buddhistischen Lehren akzeptieren wir unsere individuelle und kollektive Verantwortung, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um dieses Ziel zu erreichen, einschließlich, aber nicht darauf beschränkt, die oben beschriebenen persönlichen und gesellschaftlichen Maßnahmen.

 

Wir haben ein kurzes Zeitfenster, um Maßnahmen zu ergreifen, die die Menschheit vor einer drohenden Katastrophe bewahrt und das Überleben der vielen vielfältigen und schönen Lebensformen auf der Erde zu unterstützt. Zukünftige Generationen und die anderen Spezies, die die Biosphäre mit uns teilen, haben keine Stimme, um unser Mitgefühl, unsere Weisheit und unsere Führung zu fordern. Wir müssen auf ihr Schweigen hören. Wir müssen auch ihre Stimme sein und in ihrem Namen handeln.

 

***

 

Diese Erklärung wurde von vielen buddhistischen Lehrern und Repräsentanten unterschrieben, darunter: 

 

Dalai Lama XIV

Gyalwang Karmapa XVII

SakyaTrizin Rinpoche

Dudjom Rinpoche

Chatral Rinpoche

Thrangu Rinpoche

Dzongsar Khyentse Rinpoche

Ato Rinpoche

RinguTulku Rinpoche

Chokyi Nyima Rinpoche

Tsoknyi Rinpoche

Dzigar Kongtrul Rinpoche

Bhikkhu Bodhi

Robert Aitken

Joanna Macy

Joseph Goldstein

Taigen Dan Leighton

Susan Murphy

Matthieu Ricard

Hozan Alan Senauke

Lin Jensen

und

Thich Nhat Hanh

Pfingsten 2021:

 

Liebe Freunde, liebe Interessierte, 

 

 

Heute ist der fünfzigste Tag nach Ostern, daher der Name Pfingsten. Für unsere christlichen Freunde ist es das Wunder des Heiligen Geistes, durch das Gott sich den Menschen gezeigt hat bei Gründung der Kirche. 

 

Für mich als Buddhist ist diese Geschichte in erster Linie ein Zeichen der Verständigung, das Wunder der Einheit in der Vielfalt. 

 

Als sie alle beisammen in Jerusalem waren, einer Stadt, die schon immer von Menschen unterschiedlicher Staaten gemeinsam bewohnt wurde, fingen sie an, in verschiedenen Sprachen über die Wunder Gottes zu sprechen, so heißt es in der Apostelgeschichte.

Was für ein schönes Bild für die Gemeinschaft unter Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ein Wunder, dass wir auch heute brauchen. 

 

Die Menschheit ist auf diesem Planeten nur die eine Menschheit und teilt die Gaben dieses wunderbaren Planeten Erde gemeinsam. Dennoch gibt es ein starkes Gefälle zwischen den 20% der Menschen in Industrienationen, die 80% der Güter verwalten und den 80% der übrigen, die nur 20% vom Kuchen abbekommen. 

 

Besonders jetzt, wo uns weltweit die Ausbreitung des Coronavirus alle gemeinsam betrifft, werden die Unterschiede in der Versorgung nicht nur der Lebensmittel sondern eben auch der technischen Ausstattung im Gesundheitswesen und der Verfügbarkeit von Vaccine spürbar deutlich. Derzeit hat es besonders Indien betroffen. Ein Land, in dem sehr viele Impfstoffe günstig für westliche Länder hergestellt werden, die jedoch paradoxerweise in Indien selbst zu wenig zur Verfügung stehen.

 

Von unseren Partnern in Indien hören wir, dass viele Menschen in unseren Projekten derzeit wie die Fliegen sterben, weil keine medizinische Versorgung möglich ist. Wir gehören alle zusammen und es macht mich froh, dass die reicheren Länder derzeit technische Geräte und Sauerstoff zur Covid Behandlung dorthin senden. Wir selbst sind als Hilfsorganisation noch zu klein, um im größeren Rahmen helfen zu können. Was wir jedoch können, ist die notwendige Lebensmittelversorgung aufrecht zu erhalten, um die zu versorgen, die jetzt zu den ärmsten der Armen gehören. 

 

Deshalb folgen wir einem Aufruf unserer Partnerorganisation in Indien, der Bodhicitta Foundation mit Ayya Yeshe, die uns bat eine Soforthilfe bereitzustellen, um den betreuten Dalit Mädchen in Nagpur zu helfen. Bitte helfen Sie mit! Großzügigkeit fängt da an, wo wir etwas teilen, dass wir selbst zu brauchen meinen. Jede kleine und größere Spende hilft und wird von uns ohne Abzug weitergeleitet. Bitte nutzen Sie unseren Spendenbutton, um heute an Pfingsten mit der Sprache des Mitgefühls zu sprechen, durch tatkräftige Hilfe, durch Geben. 

 

Möge das Wunder der Völkerverständigung und die Freude von Pfingsten wie Feuer des Segens auf uns alle übergreifen. 

 

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest. Machen Sie es gut!

 

Raimund Hopf, Mitglied des Vorstands

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Brief an unsere Mitglieder - Weihnachten 2020
Rückblick, Dank und Einladung zur Mitarbeit und MV seitens des Vorstands
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